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Die Gänsehüterin und die roten Hüte

20.09.2026

Hochalm Maria Schnee

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Es war einer dieser Herbsttage, an denen der Wald stiller wirkt als sonst. 


Die Luft war kühl und feucht, Moos und Flechten leuchteten in allen Grüntönen, und zwischen den Bäumen lag dieses besondere Licht, das nur der Herbst hervorbringt.  


Ich war nicht alleine unterwegs. In meiner linken Hand trug ich eine kleine Zwergendame, eine Gänsehüterin aus Schafwolle. Ich fühlte mich mit dem Wald und meinem kleinen Kunstwerk sehr lebendig verbunden. Immer wieder positionierte ich sie an verschiedenen Stellen in der Umgebung und stellte ihr die weiße Gans an die Seite. 


Der Anblick entzückte mich jedes Mal aufs Neue und ich hatte das Gefühl, dass sie richtig lebendig wurde. Mit ihren großen blauen Augen blickte sie mich fast schon hypnotisierend an und in meinem Kopf tauchten folgende Worte auf: "Tust mir heuer eh keinen Gänsebraten essen, gell?" Verlegen packte ich sie wieder in meine linke Hand wohl wissend, dass der Gänsebraten bereits bestellt ist.


Ein paar Schritte weiter begann sich ein verschlungener Pfad steil nach oben zu winden. Steine und Wurzeln schienen ihn fein zu schmücken und nach ein paar Metern tauchten Fliegenpilze am Wegesrand auf. Manche standen ganz allein zwischen Moos und Gras, andere hatten sich zu kleinen Gruppen versammelt, als ob sie zu einer geschlossenen Veranstaltung zusammen gefunden hätten.


Immer wieder tauchten sie auf meinem Weg zur Hochalm auf und es war fast so, als würden sie mich begleiten. Meine kleine Gänsehüterin schien davon jedenfalls nicht überrascht zu sein. 


In alten Geschichten sind Gänse immer wieder ganz besondere Tiere. Sie wachen, begleiten, stehen für Treue und verbinden Himmel und Erde miteinander. In vielen Kulturen betrachtete man sie als Grenzgänger zwischen den Welten. Wegen ihrer Zugvogel-Natur wurden sie oft mit der Reise der Seele oder dem Wechsel der Jahreszeiten in Verbindung gebracht. 


Meine kleine Gänsehüterin sah herzallerliebst aus, zwischen all den Fliegenpilzen. Ich begann mich zu fragen, ob mir die roten Hüte irgendetwas mitteilen, oder mich einfach nur auf dem Weg zur Hochalm begleiten wollen. Oben auf der Hochalm verlor ich sie dann irgendwann aus den Augen. Doch fühlte ich mich behütet und beschützt, in einer Zeit, wo sich soviel wandelt, innen wie außen.

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