
Filzstern&Federgrün
Vom Ältesten
Frühjahr 2018 und 2026

Auf der Suche nach den ältesten Kulturspuren im Alpenraum, gelangte ich zum oberen Bockhartsee auf 2.076 Metern Seehöhe in Salzburg. Beim Betrachten der Umgebung entdeckte ich auch Spuren vergangener großer Berggefahren. Unter anderem ist das Gebiet auch als Goldbergbaurevier bekannt und es soll bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt sein.
Ob der Bergbau bereits in der Römerzeit- oder noch früher- betrieben wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Doch es gibt Stellen, die archeologisch als römische Altstraßentrasse dokumentiert sind. Sie kam vom Nassfeld/Sportgastein herauf und führte genau in das Gebiet, in dem ich unterwegs war. An manchen Stellen sind große Steinblöcke und gemauerte Stützungen erhalten. Ein Abschnitt der gemauerten Straße ist noch ungefähr 100 Meter lang erkennbar, bevor er von einer Bergbauhalde überdeckt wird.
Während meiner Wanderung musste ich daran denken, dass die römischen Schriftsteller vor 2000 Jahren ein recht barbarisches Bild von den Alpenbewohnern fixiert hatten. Es gründete auf den Berggefahren mit Lawinen, Muren, Verschüttungen, ins Tal gerissene Tiere, der schlechten agrarischen Nutzungsmöglichkeit und auf dem Fehlen von Kulturzentren. Dabei diente vermutlich die städtisch zivilisierte römische Lebensweise als Bewertungsmaßstab...
Ich stellte mir laut den Schriften diese Bergler von früher vor- diese Barbaren mit ihren harten Pratzen und mit noch viel härteren Dickschädeln und ihrem hundserbärmlichen lauten Fluchen. Vielleicht haben sie wirklich seltener das Zarte gesucht und noch viel seltener gefunden....
den Römern schien immer alles zu rauh und zu hart...
Dabei bestanden die Alpen keineswegs aus nur Ödland und Naturgefahren und auch die Bewohner waren nie einfach nur barbarisch und kulturlos- ganz im Gegenteil! Ein paar Höhenmeter vom oberen Bockhartsee entfernt, betrachtete ich voller Freude den dort liegenden Schalenstein mit seinen halbrunden Vertiefungen. Sie wurden einst ausgerieben oder ausgepickelt. Solche Schalensteine sind Teil einer uralten Felskunst. Im alpinen Raum gibt es eine beträchtlich hohe Anzahl davon. Sie sind in vielfacher Weise bearbeitet, oft scheinbar willkürlich, in der Regel aber geordnet, streng geometrisch, ausgerichtet nach Himmelsrichtungen und Sternen. Sie wirken wie alte Sonnenuhren, magische Orientierungspunkte in der Landschaft...
Von wegen fehlende Kulturzentren im Alpenraum...
Des Weiteren finden sich Steinsetzungen (Steinmandl) zu Abertausenden in den Alpen und auch in anderen Gebirgen der Welt. Diese Steinfiguren können mehrere hundert, sogar bis viertausend Jahre alt sein. Sie werden bis in unsere Gegenwart immer wieder neu errichtet - hauptsächlich als Wegweiser und Markierungen.
Es fügt sich alles zusammen....die Megalith- und Menhir-Kultur reicht von den Inseln Irlands, Englands, bis in die Bretagne und über Südfrankreich, Ligurien, einige Bergtäler des Piemont ins Wallis, nach Aosta, über das Veltlin bis nach Südtirol und Österreich. Tatsächlich gibt es in den österreichischen Alpen zahlreiche Menhire, Steinkreise, riesige Steinplatten mit uralten Felsenritzereien, und ganze Generationen von Heimatforschern, von Historikern und Gelehrten grübeln und deuten an ihren Geheimnissen....
Weltweit ist der Stein- und Berg-Kultus verbreitet, also dürfen ihn die Älpler nicht für sich allein beanspruchen. Diese Geheimnisse müssen mit fast allen Bergvölkern der Erde geteilt werden. Ja, und wenn man versucht, das alles irgendwie zusammenzuführen, stößt man auf so viel Kultur, dass ein ganzes Leben nicht ausreichen würde, um all dem auf den Grund zu gehen.
Vielleicht ist genau das das Faszinierende: Je mehr man über die alten Spuren in den Bergen entdeckt, desto größer wird das Geheimnis. Vielleicht erzählen die Berge ihre Geschichten nicht laut. Vielleicht haben sie sie einfach in den Stein geschrieben- und warten darauf, dass wir sie wieder lesen lernen.