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Pfingstringen in Oberwölz – ein alter Brauch der bewegt


Es gibt Dinge, die man anschaut – und wieder vergisst.

Und dann gibt es diese Momente, die still nachwirken. Nicht laut. Nicht spektakulär.

Aber spürbar. So ging es mir immer schon mit dem Pfingstringen in Oberwölz.





Zwei Menschen stehen sich im Kreis gegenüber. Rundherum die Gemeinschaft, Menschen jeden Alters. Stimmen. Erwartung. Leben.

Ein großer Raum aus Aufmerksamkeit. Ein Kreis. Ein alter Brauch. Was daran besonders ist, im Gegensatz zu vielen Bräuchen: Das hier ist kein Symbol mehr das ist echt. Echter Körperkontakt, echte Dynamik, echtes Kräftemessen. Und trotzdem wirkt es nicht aggressiv, eher spielerisch respektvoll, mit klaren Grenzen.


Früher hatten solche Bräuche eine wichtige Aufgabe. Gerade im Alpenraum, in kleinen Berg- oder Almgesellschaften und Tälern, war das Leben eng miteinander verbunden. Man brauchte einander. Beim Arbeiten. Im Winter. Im Alltag. Gemeinschaft war nicht etwas Schönes zusätzlich – sie war notwendig.

Und Gemeinschaft braucht Ordnung.

Sie braucht Vertrauen.

Sie braucht Zugehörigkeit.


Alte Bräuche wie das Pfingstringen haben genau dabei geholfen. Sie haben sichtbar gemacht, was sonst oft unsichtbar bleibt.

Wer übernimmt Verantwortung?

Wer wächst gerade über sich hinaus?

Wer findet seinen Platz?

Und auch:

Wohin mit all der Kraft, die in einem jungen Menschen lebt?


Früher gab es oft klare Übergänge.

Vom Kind zum Erwachsenen. Vom Mitlaufen zum Mittragen. Das wurde nicht irgendwann „automatisch“. Es wurde erlebt. Gesehen. Bestätigt. Von der Gemeinschaft. Und genau darin liegt für mich etwas unglaublich Berührendes. Mich fasziniert besonders, dass solche Bräuche Energie nicht unterdrückt haben. Sondern ihr einen Platz gegeben haben.

-Kraft durfte da sein

-Mut durfte da sein

-Spannungen durften da sein


Wenn man also genauer hinsieht, hat das unglaublich viel Weisheit.


So läuft das Pfingstringen in Oberwölz ab

Grundprinzip: 2 Teilnehmer treten im abgesteckten Ring gegeneinander an.

Ziel: Den Gegner zu Boden bringen oder so aus dem Gleichgewicht, dass er klar verliert.

Startposition: Beide stehen sich gegenüber

Griff: meist an der Kleidung (Jacke/Hemd) oder am Gürtel

Wichtig: der Griff wird vor dem Start festgelegt - kein wildes Greifen danach.

Ablauf: auf ein Zeichen geht es los. Beide versuchen den anderen zu ziehen, zu drehen, auszuheben oder zu werfen

Es geht weniger um Technik wie im modernen Ringen sondern mehr um Kraft plus Gefühl plus Timing.



Wann gewinnt man?

Wenn der Gegner klar zu Boden geht. Oder mit einem wesentlichen Körperteil den Boden berührt (z.B. Rücken/Schulter) oder das Gleichgewicht verliert, dass es eindeutig ist. Oft entscheidet der Kampfrichter oder erfahrene Zuschauer.


Wer macht mit?

Traditionell Burschen, junge Männer, oft nach Alter oder Gewicht halbwegs passend.


Das Spannende ist: die Form (zwei ringen im Kreis. Das ist uralt)

Diese Kraftkämpfe gab es schon bei germanischen Stämmen, im Alpenraum als Teil von Festen und Zusammenkünften, oft als Initiations- oder Fruchtbarkeitsritual. Zeitlich gesprochen vorchristlich also 1000 plus Jahre, vermutlich deutlich mehr.


Der Kreis – ein Raum der anders ist

Ein Kreis hat keine Ecken. Kein Entkommen. Er trennt innen und außen – und macht sichtbar: Hier passiert etwas Bedeutendes. Man spürt es sofort. Als würde man eine andere Ebene betreten. Der Alltag bleibt da jetzt mal draußen. Im Kreis stehen sich zwei Menschen gegenüber. Nicht als Gegner im modernen Sinn – eher als ein Spiegel. Es gibt kein Versteck, kein Ausweichen in Worte. Nur Körper, Gefühl, Reaktion. Und genau das berührt hier sehr: Diese Klarheit


Warum gerade zu Pfingsten?

Hier wirds richtig interessant:

Pfingsten ist eigentlich ein christliches Fest ABER früher war das:

-Zeit von Wachstum

-Übergang in den Sommer

-Rangordnung klären

-Gemeinschaft stärken


Wenn ich an das Pfingstringen denke, bleibt bei mir kein Bild von Kampf.

Es bleibt etwas anderes.

-Klarheit

-Verbindung

-Präsenz


Und dieses stille Gefühl, dass wir Menschen solche Räume brauchen. Räume in denen wir dazugehören. Räume, in denen Kraft nicht zerstört - sondern verbindet.

Vielleicht tragen alte Bräuche genau deshalb noch immer etwas Wertvolles in sich . Nicht weil sie alt sind. Sondern weil sie uns manchmal an etwas erinnern, das wir tief in uns noch kennen.



 
 
 

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